Die Kirchengeschichte von Spesbach
von Roland Paul

Kirche zu Spesbach
Die Spesbacher Kirche 

Schon in der ersten Erwähnung Spesbachs im Jahre 1215 ist von einer Kirche zu Spesbach die Rede. Damals übertrug König Friedrich II. seinem „lieben Getreuen“ Reinhard von Lautern für geleistete und künftig zu erbringende treue Dienste das Patronatsrecht an der Pfarrei Ramstein und ihren Filialen Weilerbach und Spesbach als Erblehen. Sein Nach-komme Ritter Siegfried II. von Hohenecken übertrug dieses Recht 1253 im Namen seiner Familie den Brüdern des Deutschordensspitals Einsiedel.

Wir wissen nicht, wann die alte Spesbacher Kirche erbaut wurde. Aus dem 13. Jahrhundert stammt jedenfalls der heute noch erhaltene frühgotische vierstöckige Turm. 1220 ist aus-drücklich von der „Capelle“ zu Spesbach die Rede.

 Ein Vertrag aus dem Jahr 1478 besagt, dass der Pfarrer von Ramstein einmal wöchentlich in Spesbach Gottesdienst zu halten hatte. Nach der Reformation war Spesbach zunächst Sitz einer reformierten Pfarrei, zu der um 1600 die Dörfer Hütschenhausen, Katzenbach, Ramstein, Spesbach und Weltersbach zählten.

Doch schon in dem ein paar Jahre später ausgebrochenen Dreißigjährigen Krieg wurde die reformierte Pfarrei Spesbach aufgehoben. Spesbach und die umliegenden Dörfer haben damals das gleiche harte Schicksal erlitten wie viele andere Dörfer der Westpfalz auch. Viel Leid ist über die Einwohner gekommen. Unsere Vorfahren erlebten den Krieg mit all seinen schrecklichen Begleiterscheinungen, ganze Familien wurden ausgelöscht, Seuchen wie die Pest breiteten sich aus, die Bewohner wurden vertrieben oder sie ergriffen die Flucht vor der brandschatzenden Soldateska, Häuser verfielen, Gebüsch und Gehölz überzog die Ruinen nach einigen Jahren.

 1671, das entnehmen wir dem „Belegzettel bey der erneuerten Schatzung des Gerichts Ramstein“ aus dem Jahre 1671, lebten gerade wieder drei Familien in Spesbach: Johann Simon Rech, Jakob Rech und Wilhelm Börtel. In Hütschenhausen wohnten die Familien Peter Moos und Wilhelm Weiß, in Schrollbach die Familien Johannes Kurz und Johannes Türk. Die meisten Menschen gab es noch in Katzenbach: Hier lebten die Familien des Schultheißen Peter Schröer sowie Johannes Weiß, Johannes Ulrich, Johannes Krick der Blinde, Johann Jakob Albrecht (oder Albert) sowie Johannes Strack.

In den folgenden Jahren, nachdem der Kurfürst von der Pfalz, Karl Ludwig, Fremde zur Ansiedlung eingeladen hatte, kamen Einwanderer aus anderen Landen auch in unsere Re-gion und ließen sich hier auf Dauer nieder. Viele kamen aus der Schweiz, wie die Familien Zinsmeister, Scheuermann und viele andere.

Im ausgehenden 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts gab es einen jahrelangen Streit um die Nutzung der Kirche. Nach dem Aussterben der Simmernschen Kurlinie (1685) und der antiprotestantischen Religionspolitik des Kurfürsten Philipp Wilhelm verloren die Refor-mierten mehrere Kirchen in der Kurpfalz an die Katholiken; in vielen anderen Kirchen, wie auch in Spesbach, wurde das Simultaneum eingeführt, das heißt die Kirche konnte von Katholiken und Reformierten gemeinsam genutzt werden.

1698 kam es in Spesbach sogar zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen den Refor-mierten und den Katholiken, nachdem Kurfürst Johann Wilhelm den deutschen Ordens-komtur Johann von Metzenhausen gebeten hatte, Kirche und Güter in Kübelberg und Spesbach den Reformierten zugunsten der Katholiken zu entziehen. Nachdem die Refor-mierten Widerstand geleistet hatten, forderte Metzenhausen vom Kaiserslauterer Stadt-kommandanten militärische Unterstützung, die er auch erhielt. Alfred Hans schreibt dazu: „Er (Metzenhausen) war fest entschlossen, den Widerstand der Protestanten zu brechen. Mit einem Leutnant und zwölf Soldaten zog er zunächst nach Spesbach. Dort bereitete man ihm aber einen schlechten Empfang. Die Sturmglocken hatten eine beachtliche Anzahl reformierter Bürger, die sich mit allen möglichen bäuerlichen Geräten bewaffnet hatten, zusammengerufen. Das Militärkommando zog vor das verschlossene Pfarrhaus, und Metzenhausen forderte die Bewohner auf, dieses zu öffnen. Als der reformierte Pfarrer der Aufforderung nicht nachkam, ließ der Ordenskomtur die Tür aufbrechen. Dabei kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Bürgern und Soldaten. Unglücklicherweise gab ein am obersten Fenster postierter Jäger aus Ramstein einen Schuss ab. Daraufhin eröffneten die Soldaten das Feuer. Als traurige Bilanz des Unternehmens zählte man einen Toten, einen Schwerverletzten und mehrere Leichtverletzte. Damit war der Widerstand der Refor-mierten gebrochen.“ (Hans, S. 112) Die Folge war, dass Spesbach statt eines reformierten einen katholischen Pfarrer erhielt. Die Spesbacher Reformierten mussten in den folgenden 20 Jahren die Kirchen in Ramstein oder Steinwenden besuchen. 1718 kam es schließlich zum Kirchentausch mit Ramstein.

Doch die Spesbacher Kirche befand sich in den folgenden Jahren nicht gerade in einem guten baulichen Zustand. Die reformierten Pfarrer klagten immer wieder, die Kirche sei viel zu klein und zudem baufällig. Im März 1746 befand sie sich schließlich in einem solchen Zustand, dass sie täglich einzustürzen drohte. Pfarrer Johann Heinrich Weber berichtete an die vorgesetzte Behörde nach Heidelberg, dass es lebensgefährlich sei, in die-ser Kirche Gottesdienste abzuhalten. Es war klar, es musste eine neue Kirche erbaut werden. Doch wer sollte sie bezahlen?

Über den Neubau des Kirchenschiffs hat Pfarrer Weber einige Daten im alten Spesbacher Kirchenbuch notiert. Leider ist das betreffende Kirchenbuchblatt beschädigt, so dass wir einige Daten und Worte nicht mehr nachlesen können.

1746, das genaue Datum fehlt leider, ist der Grundstein zur Kirche gelegt worden, "bei Haltung einer gewöhnlichen Sermon", so heißt es, durch Kollektor Born von Kaiserslau-tern, Pfarrer Weber und die Kirchenältesten. In den Grundstein kamen das neue Testament, der Heidelberger reformierte Katechismus und eine Schrift, deren Titel wir ebenfalls nicht wissen, weil das Blatt dort Textverlust aufweist. Die alte Kirche wurde offenbar im Okto-ber 1746 abgerissen. Am 5. Oktober 1746 vermerkte der Pfarrer noch die letzte Trauung in der alten Spesbacher Kirche: Johann Adam Kurtz von Schrollbach und Maria Elisabetha, Witwe des Michael Nicolaus. Dann wurden - wegen des Kirchenbaus - die Trauungen und die Taufen ein ganzes Jahr in Steinwenden vorgenommen. Die Bauzeit, einschließlich des Abbruchs der alten Kirche, hat offenbar nur ein Jahr gedauert, denn am 22. Oktober 1747 vermeldet das Kirchenbuch die erste Trauung in der neuen Spesbacher Kirche: Gerhard Zinsmeister, Sohn des Johann Nikolaus Zinsmeister, Gemeinsmann zu Spesbach, heiratete Elisabetha Catharina, die Tochter des verstorbenen Nikolaus Schröer, gewesener Gemeins-mann und Gerichtsschöffe in Katzenbach. Das erste in der neuen Kirche getaufte Kind war wohl Maria Margaretha, die Tochter des Johannes Schramm d. J. und dessen Ehefrau Anna Barbara von Niedermohr, die am 29. Oktober 1747 in der Spesbacher Kirche getauft wurde.

Die offizielle Einweihung der Kirche erfolgte allerdings erst ein halbes Jahr später, im Mai 1748 am Sonntag Jubilate durch Inspektor (heute würden wir sagen Dekan) Pollich von Kaiserslautern: „bey volkreicher Versammlung“ sei die Kirche „zum Gebrauch des öffent-lichen Gottesdienstes... ordentlich geweyhet worden.“

Ein Jahr später schließlich erhielt die neue Kirche auch eine Orgel. Sie hatte acht Register und kostete 130 Gulden. „Das Geld ist auß den beyden Kirchspielen (also aus den Pfarrei-en Steinwenden und Spesbach) und auch in dem Dorf Miesau von mir colligiret worden, und auch eine neue Bordkirch dafür auffgebauet worden“, schrieb Pfarrer Johann Heinrich Weber.

Im gleichen Jahr schaffte die Kirchengemeinde eine neue zinnerne Weinkanne und einen zinnernen Teller für das Abendmahl an. Die Kosten von 3 Gulden 40 Kreuzern wurden aus den sonntäglichen Almosen bestritten.

Pfarrer Johann Heinrich Weber starb 1762. Sein Nachfolger war der in Langenlonsheim als Spross einer aus dem Kanton Bern eingewanderten Pfarrers- und Lehrersfamilie geborene Johann Heinrich Surerus. Er war damals immerhin auch schon 66 Jahre alt. Den Kirchen-akten ist zu entnehmen, dass er seinen Amtspflichten vielfach nicht nachgekommen ist, so dass der Pfarrvikar Johann Carl Weber, der Sohn Johann Heinrich Webers, einen Großteil der Amtsgeschäfte erledigte. Surerus wurde später abgesetzt, nachdem seine Tochter Christina Catharina das Pfarrhaus in starken Misskredit gebracht hatte. Sie hatte nämlich mehrere uneheliche Kinder, eines davon gar von dem lutherischen Pfarrer Heinrich Fried-rich Pabst. Eines der Kinder ermordete sie und wurde daraufhin 1777 in Kaiserslautern öffentlich enthauptet.

Zu Beginn des Jahres 1769 richtete Pfarrvikar Johann Carl Weber ein Schreiben an die Geistliche Güteradministration in Mannheim und bat um den Bau eines neuen Glocken-stuhls in der Spesbacher Kirche. „Da nun dieser (1699 hergestellte) Glockenstuhl so ruinös ist, dass die eine Glocke würcklich aus ihrer Angel gewichen und in Ketten aufgehängt werden musste, so dass nicht nur das Geläuth überaus schwehr zu ziehen, sondern auch dieße Mühe mit der größten Lebensgefahr verbunden ist, indem bey dem verdorbenen Glockenstuhl die Glocken leicht herunter fallen können“.

Weber war ein konsequenter Mann, der sich häufig mit den vorgesetzten Behörden anlegte, wenn es galt, sein und der Gemeinde Recht durchzusetzen. Gerade mit der kurpfälzischen Verwaltung des katholischen Kurfürsten Carl Theodor, die die Reformierten, wo sie nur konnte zu benachteiligen suchte, legte er sich häufig an.

Das zeigte sich auch in mehreren Prozessen, die er zum Teil gegen die kurfürstliche Hof-kammer führte. Davon werden wir noch hören. Energisch setzte er sich für den Bau neuer Schulhäuser in Spesbach, Steinwenden, Mackenbach und Niedermohr ein, die sich in den 1760er Jahren alle in einem sehr schlechten Zustand befanden. Dank seiner Hartnäckigkeit konnte er trotz der Sturheit der Verwaltung in allen Fällen einen Neubau oder eine gründliche Reparatur durchsetzen. Die Gemeinden, so schrieb Weber in einem Brief an den Kurfürsten Carl Theodor nach Mannheim 1771, können das Geld nicht aufbringen, und eine Kollekte sei kaum ausreichend gewesen, wenigstens die notwendigste Reparatur durchzuführen, in diesen „nahrlosen betrübten Zeiten, wo man dieses Colleckte Geschäft, wegen allgemein und überall eingerissener Noth und Armuth, gänzlich musste erliegen lassen.“

1776 musste schließlich die Kirche zum ersten Mal einer größeren Reparatur unterzogen werden. Durch einen großen Sturm und Hagel am 17. Juli 1776 waren Dach und Fenster so ruiniert worden, dass die Kirchengemeinde eine dringende Behebung der Schäden vorneh-men musste, sonst würde bei Regen und Schnee das ganze Gebälk verfaulen und die Decke herunterzufallen drohe. Besonders bei stürmischem Wetter könne in der Kirche kein Gottesdienst gehalten werden, da gerade zur Wetterseite die Fenster fast alle offen sind. 

Auch um ihre eigenen Einkünfte mussten die Pfarrer, wie ja auch die Lehrer, hart kämpfen. Sie wurden damals vor allem in Naturalien entlohnt, die meistens auf alten Rechtsgrund-lagen beruhten. So stand dem reformierten Pfarrer von Steinwenden für die Filiale Spes-bach der dortige kleine Zehnte zu, bestehend aus dem Hanf-, Flachs-, Ferkel-, Hirsen- und Birnenzehnten, den die Bauern an den Pfarrer abzuführen hatten. Im Laufe der Zeit schli-chen sich immer mehr Unregelmäßigkeiten in der Abgabe der Zehnten ein. 1749 und in den folgenden Jahren klagte bereits Pfarrer Johann Heinrich Weber wegen der ihm entgangenen Zehnten. 1759 beschwerte er sich, dass die Lutheraner von Hütschenhausen ihm den Grundbirnen-Zehnten nicht lieferten. Sein Sohn und Nachfolger, Pfarrer Johann Carl Weber, führte wegen verschiedener ihm zustehender Zehnten gar mehrere Prozesse mit der kurfürstlichen Herrschaft in Mannheim, die sich zum Teil jahrelang hinzogen. Unter anderem verklagte er die Lutheraner von Hütschenhausen, weil sie ihm den kleinen Zehnten nicht ablieferten. In den Pfarrakten im Landeskirchenarchiv findet sich eine Fülle von Akten über diese und ähnliche Klagen.

In den Kirchenakten der Pfarreien Steinwenden und Spesbach aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts lesen wir auch häufig von der Handhabung der so genannten „Kirchen-zucht“. Streng gingen die Pfarrer vor allem mit jenen ins Gericht, die bereits vor der Ehe Geschlechtsverkehr hatten. So haben die Pfarrer bei den Heiratseinträgen im Kirchenbuch dies stets notiert „als solche, die sich vorher fleischlich miteinander vermischet“.

Dem Pfarrer und den Kirchenältesten oblag auch die Anstellung der Lehrer, die ja lange noch der kirchlichen Schulaufsicht unterstanden. Oft gab es, auch in Spesbach, Streit um die Einstellung und die Tätigkeit der Lehrer. So war das auch 1790. Der Pfarrer und die Kirchenältesten wandten sich beispielsweise am 15. Januar 1790 mit einem Schreiben an den Kirchenrat nach Mannheim bezüglich des Lehrers Carl Philipp Gutwein. Zwar bestün-de „gegen seine Aufführung und Lebenswandel keine Klage“, „wohl aber daß derselbe gegen alle Warnung sich in den Schulwissenschaften nicht nur nicht geübt sondern viel-mehr auf den Ackerbau geleget so daß es scheinet er habe keine Freude daran wie er dann auch deßwegen sich jetzo würcklich mit einer wohlhabenden Bauern Thochter verheura-thet, daher wir auff unserer vorigen unterthänigen Bitte berufen, und den Hochlöblichen Kirchenrath ersuchen müssen, unsere so ansehnliche Schule und Kirche, bey etwaigem Ableben unseres Schulmeisters mit einem tauglichen Subject zu besetzen,

die wir in tiefster Ehrfurcht erharren Euer Hochlöbliche Kirchenraths Gehorsamste Knechte

Daniel Bischoff

Philipp Kurz

Peter Bischoff

Kirchenälteste“.

1793 schrieb Pfarrer Weber in einem Brief an das Oberamt Lautern u.a.: „Bekannt ist es genügsam, daß schon die meiste unserer Gemeindeglieder bettelarm sind und die wenige, mittelmäßige werden in Kurtzem, bey nicht erfolgter Änderung eben dahien gelangen, so daß auch unser gnädigster Kuhr- und Landesherr endlich statt fleißiger Unterthanen ein Hauffen Bettler haben wird, die ernähret werden wollen. Die Hauptursach dieses nahe bevorstehenden gänzlichen Verderbens ist, neben denen hohen Abgaben, hauptsächlich die Verdorbenheit der Sitten, die gleich einem reißenden Strom alles zu überschwemmen drohet. Ehebruch und Hurerei sind so gemeine Laster, daß sie auch die öffentliche Schaam und Schande verlohren haben, und die gegen solche Verbrechen beliebte allzu gelinde Nachsicht verursacht, daß sie immer frecher ihr Haupt empor heben. Diebstahl, Betrug und Räncke suche die öffentl. Sicherheit, diese förderste Grundsäule eines blühenden Staats, immer mehr zu untergraben. Nachtschwärmerey und ein fast durchgängiges liederliches ausgelassenes Leben, daß die gnädigste und sehr weiße Landes und Policei Verordnungen … und zu Boden getretten werden und daß unser Amt selbst lächerlich und unnütz wird....“ Weiter klagte der Pfarrer, dass in vielen Häusern „die gantze Nacht“ mit „Karten, Zechen und Schwärmen“ zugebracht wird, dass dadurch vor allem viele Kinder „verführet und zu allem bösen gereizt würden“.

Seit 1727 wurde für Spesbach und die zur Spesbacher Kirche gehörenden Filialorte ein eigenes Kirchenbuch mit den Einträgen der Taufen, Konfirmationen, Heiraten und Ster-befälle geführt. Die Einträge für die Zeit von 1684 bis 1726 finden sich im reformierten Kirchenbuch Steinwenden. Das Spesbacher Kirchenbuch befindet sich heute im Landeskir-chenarchiv in Speyer und ist eine wichtige Quelle vor allem für die Bevölkerungs- und Familiengeschichte von Spesbach, Katzenbach, Hütschenhausen und der weiteren ange-schlossenen Gemeinden.

Wir lesen darin neben vielen freudigen Ereignissen aber auch von großem Leid, das den Menschen früher hier widerfahren ist, von den vielen Kindern, die „an den Röthelen“, „an den Gichteren“ oder am „blauen Husten“, wie der Pfarrer notierte, gestorben sind. Von so manchen jungen Frauen, die im Kindbett starben. Interessant ist, dass die vermeintlichen Todesursachen angegeben sind: „An der Auszehrung“, am „hitzigen Fieber“, „an der Was-sersucht“. Im Sommer 1794 grassierte in der Gegend die Ruhr, die viele Opfer, auch in  Spesbach, forderte. Wir erfahren, dass Johann Theobald Schröer junior von Katzenbach auf dem Weg von Schrollbach nach Hause am 15. Januar 1795 erfroren ist. Er war ca. 46 Jahre alt, heißt es. Als der aus Quirnbach stammende Johann Adam Braun am 27. Novem-ber 1793 bei seinem Sohn in Niedermohr starb, notierte der Pfarrer, dass er „zur Zeit des Einbruchs und allgemeinen Plünderung der Franzosen in der Stille begraben worden“ sei. Es war eine schlimme Zeit, der so genannte Plünderwinter begann.

Damals, im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts, ging die kurpfälzische Herrschaft ihrem Ende entgegen. Der 1792 über die Pfalz hereingebrochene Revolutionskrieg zwischen Frankreich einerseits und den verbündeten preußischen und österreichischen Truppen ging auch an Spesbach, Katzenbach und Hütschenhausen nicht spurlos vorbei. Frankreichs Ziel war die Eroberung des linksrheinischen Gebietes. Der „Wohlfahrtsausschuss“ in Paris hat-te nämlich per Dekret angeordnet, dass sich "die völlig unzureichend versorgte Armee der Sansculotten ausschließlich von den finanziellen und materiellen Ressourcen der eroberten Lande zu ernähren und zu unterhalten habe" (Schneider, S. 18). Eine „Commission de Grippe“, die so genannte „Ausleerungskommission“, machte sich daran, diese Aktion aus-zuführen. Von welcher Wirkung dieser berüchtigte Befehl war, welch großes Elend der so genannte "Plünderwinter" für die Bevölkerung unserer Gegend brachte, dokumentieren mehrere zeitgenössische Berichte, die sich für unseren Raum erhalten haben.

Der Pfarrer von Steinwenden und Spesbach Johann Carl Weber berichtete im März 1794 über die Vorfälle in unserem Raum an den Kaiserslauterer Landschreiber von Horn:

 „An diesem Tage (10. März 1794) kamen die in Hauptstuhl und Landstuhl gelegenen Fran-zosen zur Verstärkung nach Lautern. Jene wurden durch Truppen aus Zweibrücken ersetzt. Alle Brücken in dem Gebrüche sind abgerissen und alle Wege abgegraben. Die ganze Gegend ist durch Öffnung der Weiher und Stauung der Gräben unter Wasser gesetzt. Am 10. März mussten die Bewohner von Hütschenhausen, Katzenbach und Spesbach für jedes dieser Dörfer 300 Pfund Brot und 30 - 40 Rationen Heu nach Landstuhl liefern. Der Maire Demuth in Landstuhl und der dortige Commissär, Adam Wirth, welche sich vom General Frimont eine Schutzwache von 16 Gendarmen erkauft haben, wissen alle Last auf die benachbarten Dörfer zu schieben. Zu Niedermohr und im Glantale ist eine große Menge Vieh bei Nacht und Nebel aus den Sickinger Dörfern herüber geflüchtet worden, weil die französischen Truppen, welche von Pirmasens beiziehen, alles wegnehmen, was ihnen zu Händen kommt."

Drei Wochen später berichtete der Pfarrer nach Kaiserslautern:

"Am 31. März kamen die Commissäre Rauch und Falloz, welche sich in Schönenberg auf-hielten, wo sie auf jedes Haus der umliegenden Dörfer eine Kriegssteuer von 2 Louisdor ausgeschrieben hatten, um die Mittagsstunde mit 12 Gendarmen auch nach 0bermohr, um diese Steuer zu erheben. Rauch ließ alsbald die Einwohner auf das Rathaus zusammenrufen. Diese erklärten, daß es ihnen unmöglich sei, seiner Forderung in ihrer unglücklichen, armen Lage zu entsprechen, wenn auch alle ihre Häuser dem Feuer würden preisgegeben werden. Unter entsetzlichem Schimpfen und Drohen ließ er nun den Schullehrer und einige andere Bewohner festnehmen. Er stieß einen fürchterlichen Schwur aus, sie alle erschießen zu lassen, wenn nicht innerhalb einer Stunde Geld beigebracht werde. Die 0bermohrer betheuerten wiederholt, sie hätten kein Geld und könnten deshalb auch keins bezahlen. Hierauf befahl der Unmensch seinen Begleitern, mit geladenen Gewehren vorzutreten, nahm selbst eine Pistole, setzte sie den Arretierten auf die Brust und raste wie ein Unsinniger. Sofort ließ der Commissär zuerst die Ställe, dann auch die Häuser durch seine Häscher durchsuchen. Es wurden noch etliche 40 Stück Rindvieh aufgefunden, die man über den Mohrbach auf das Samenfeld wegtrieb. Dann sammelte man das Hausgeräthe, die Leinwand, Kleider, Geschirre und Früchte und verlud es auf mitgebrachte Wagen. Jetzt ging der Räuber mit einer feilen Dirne zu dem Marketender und fing mit seinen Gesellen an, auf Kosten der Bauern zu zechen. Als diese auch hierfür das nöthige Geld nicht zusammenbrachten, wurden sie mit Schlägen mißhandelt. Das Jammern und Schreien der Aeltern und Kinder war so arg, daß man es in Steinwenden hörte. Doch ihre Peiniger hatten kein Mitleid, sondern lachten und spotteten hierüber. Diesen schmählichen Auftritten machten einige französische 0ffiziere ein Ende, indem sie den Commissär fragten, ob er zu solchen Quälereien vom Convent Vollmacht habe?

Mittlerweile waren einige Gendarmen, von Volontären begleitet, nach Schrollbach gezo-gen, um auch dort das vorhandene Rindvieh aufzusuchen. Sie brachten es nach 0bermohr, von wo dasselbe mit den dort geraubten Kühen nach Katzenbach abgeführt wurde.

Kaum war der Commissär mit seiner Bedeckung in Katzenbach angekommen, so ward der Bürgermeister mit den Gemeindevorstehern vorgerufen und ihnen erklärt, binnen einer Stunde 80 Louisdor zu zahlen oder dem Tod durch Kugeln entgegenzusehen. Sogleich mußten 6 Flaschen des besten Weines beigebracht werden. Die Einwohner sammelten Geld. Indeß ließ der Commissär die Ställe untersuchen und das Vieh zusammentreiben. Die Vorsteher mußten unter argen Mißhandlungen mit Prügeln hierbei mithelfen. Mit sei-ner Beute zog Rauch noch am späten Abende mit 5 Geiseln für den Rest der auferlegten Steuer nach Schönenberg zurück. Am folgenden Tage zahlten die bedrängten Einwohner den Rest der 80 Louisdor, um die Geiseln zu lösen. Allein ihr geraubtes Vieh wurde trotz des gegebenen Versprechens nicht zurückgegeben. Spesbach mußte 60, Hütschenhausen aber 85 Louisdor zahlen...“

Die Schreckenszeit dauerte bis in den Herbst 1794. Aber auch in den folgenden Jahren mussten unsere Vorfahren immer wieder hohe Kriegskontributionen, vor allem auch Ge-treide abliefern.

Die kurpfälzische Herrschaft ging ihrem Ende entgegen. Die Franzosen annektierten 1797 (Friede von Campo Formio) das gesamte linksrheinische Gebiet.

Die Verwaltung des eroberten Gebietes wurde nun nach französischem Vorbild neu orga-nisiert. Das Land wurde in Departements, Arrondissements, Kantone und Gemeinde (Mairien) eingeteilt. Der Großteil der heutigen Pfalz wurde Bestandteil des Departements du Mont Tonnere (Donnersberg) mit der Hauptstadt Mainz. Oberster Verwaltungschef des Departements wurde der Präfekt. Die Departements wiederum bestanden aus mehreren Arrondissements, an deren Spitze ein Unterpräfekt stand. Das Arrondissement war in Kanntone untergliedert und diese in Mairien, Bürgermeistereien.

Spesbach kam zum Kanton Landstuhl des Arrondissements Zweibrücken im Departement du Mont Tonnere. Die alten Gerichte und Schultheißereien waren somit aufgelöst. An ihre Code Napoleon, wurde eingeführt. Er galt in der Pfalz bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches im Jahre 1900.

Doch für den abgeschafften Zehnten wurden vielerlei Steuern eingeführt, die unsere Vor-fahren an die neu geschaffenen Einnehmereien abzuführen hatten; ich erinnere nur an die Tür- und Fenstersteuer und eine ganze Reihe von Verbrauchs- und Genusssteuern, wie z.B. die Branntweinsteuer, eine Erfindung der französischen Revolutionsregierung.

Nicht genug, dass die Pfälzer mit der französischen Amtssprache traktiert wurden, die Revolutionsregierung schuf auch einen neuen Kalender, den so genannten Revolutions-kalender, der mit dem Jahr 1792 beginnt, andere Monatsnamen enthält als die uns bekann-ten. Doch die Bevölkerung kam mit diesem Kalender nicht zurecht. 1806 wurde er wieder abgeschafft und der alte Gregorianische Kalender wieder eingeführt.

Die Konskriptionspflicht führte vielerorts, auch hier in Spesbach, zu Differenzen mit den vorgesetzten Behörden. Für taugliche Wehrpflichtige, die die erforderliche Körpergröße von 1,50 Meter hatten, gab es nur eine legale Möglichkeit den Waffendienst zu umgehen: Die Stellung eines Ersatzmannes. Doch dies konnten sich nur die ganz Wohlhabenden leisten. Es war eine teure Angelegenheit, die übrigens auch später in der bayerischen Zeit praktiziert worden ist. Dennoch mussten auch Spesbacher Männer der Wehrpflicht genügen. Manche kämpften jahrelang auf den Schlachtfeldern Napoleons in Russland oder auf der Pyrenäenhalbinsel.

Als sich die geschlagenen Truppen Napoleons 1813 aus Russland zurückzogen, kamen die Soldaten auch durch Spesbach und die Nachbardörfer. Sie kamen in einem elenden Zu-stand und litten an Nervenfieber, einer Art Typhus. Die Kirche wurde zu einem Lazarett umgewandelt. Wir wissen nicht, wie viele Kranke hier behandelt wurden. Die Zivilbevöl -kerung wurde bald auch von der Krankheit angesteckt. Neben den Soldaten starben viele Einwohner, vor allem Kinder und Alte am Typhus. In keinem anderen Jahr im vergang-enen Jahrhundert starben so viele Menschen wie im Winter 1813/14.

In die kirchlichen Angelegenheiten brachte die Franzosenzeit viel Unruhe. Lange Zeit war die Besoldung der Pfarrer nicht geregelt. Der Zehnte, den die Bauern der Kirche abzulie-fern hatten, war weggefallen. Doch es gab damals schon erste Ansätze in der Pfalz zu ein-em Zusammenschluss der Lutheraner und Reformierten.

Für die Spesbacher reformierte Gemeinde war noch immer das Pfarramt Steinwenden zu-ständig, ebenso das lutherische Pfarramt Steinwenden für die Lutheraner von Spesbach, Hütschenhausen, Katzenbach und viele weitere Dörfer.

Pfarrer Johann Carl Weber starb 62jährig im Jahre 1800. Sein Amt teilten sich zunächst seine noch jugendlichen Söhne Carl Gottfried und Ludwig Friedrich Christian, die beide kaum 20 Jahre alt waren und gerade ihr Studium abgeschlossen hatten. 1802 führte Carl Gottfried Weber die Pfarrei alleine weiter, während sein jüngerer Bruder die Pfarrei Lix-heim, dann sp„ter die Pfarrei Obermiesau übernahm. Carl Gottfried Weber war bis 1814 Pfarrer der reformierten Pfarreien Steinwenden und Spesbach. Dann wurde er als Dekan nach Homburg berufen, ein Amt das er fast dreißig Jahre, bis 1843, ausübte. Sein Nach-folger als reformierter Pfarrer in Steinwenden und Spesbach wurde sein aus Bacha-rach stammender Schwager Carl Martin Engelmann, der mit Pfarrer Webers Schwester verheiratet war.

Die französische Herrschaft ging 1814 zu Ende. Nach zweijähriger gemeinsamer öster-reichisch- bayerischer Regierung kam die Pfalz 1816 an Bayern, wo seit 1806 König Max Joseph I., der jüngere Bruder des letzten Zweibrücker Herzogs Karl II. August, regierte.

1818 war ein bedeutendes Jahr in der pfälzischen Geschichte und für die Protestanten in der Pfarrei Spesbach in dreierlei Hinsicht:

Zum einen wurde die neue bayerische Verwaltung in der Pfalz eingeführt. Spesbach bildete mit Katzenbach und Hütschenhausen eine eigene Bürgermeisterei, die zum Kanton Landstuhl gehörte. Hütschenhausen ist übrigens 1878 aus diesem Bürgermeistereiverband ausgeschieden und bildete fortan eine eigene Bürgermeisterei. Die drei Kantone Landstuhl, Waldmohr und Homburg waren Teile des neu geschaffenen Landcommissariats Homburg in der bayerischen Pfalz oder im bayerischen Rheinkreis, wie die Pfalz bis 1838 offiziell hieß. Oberster Verwaltungsbeamter des Landcommissariats Homburg und damit auch für Spesbach zuständig, wurde Dr. Philipp Jakob Siebenpfeiffer, ein liberaler Geist, auf dessen Betreiben später, 1832, das Hambacher Fest zustande kam.

Das zweite wichtige Ereignis in der pfälzischen Kirchengeschichte, das auch für die Selb-ständigkeit der Spesbacher Pfarrei ausschlaggebend war, war die Union von 1818, der Zu- sammenschluss der beiden protestantischen Konfessionen in der Pfalz, der Reformierten und der Lutheraner. Alle lutherischen und reformierten Haushaltungen in der Kurpfalz wurden befragt, ob sie für oder gegen den Zusammenschluss seien. Für die Lutheraner konnte ich in den Archiven keine Unterlagen finden, aber für die Reformierten. So schrieb Pfarrer Karl Martin Engelmann am 2. März 1818 an die vorgesetzte Kirchenbehörde: „Die Pfarrgenossen des Unterzeichneten sind, wie sich dies aus den Abstimmungslisten ergibt, geneigt sich mit ihren lutherischen Brüdern in einer evangelischen Gemeinde zu vereini-gen. Die Wenigsten werden zwar aus innerer Überzeugung dieser Vereinigung beitreten, denn nur Wenigen mögten hierzu gelangt sein. Es ist indessen doch gewiß ein Beweis, daß man mit den bisher getrennten Brüdern sich gerne in eine Gemeinde sammlen wolle, wenn bei 628 Stimmen für diese Vereinigung nicht ein Einziger sich dagegen erhebt. Einverstan-den in den Grundsätzen mit unseren Brüdern, bei welchen die Vereinigung bereits stattgefunden, sehen wir den näheren Bestimmungen der Synode entgegen, von Herzen wünschend, es möge dies segensreiche Werk auch unter uns bald gebracht werden.“

Seinem Brief fügte Pfarrer Engelmann die Abstimmungsliste bei, die sämtliche 628 Namen enthält, die sich an der Abstimmung beteiligten. Darunter sind auch die Namen der 48 Kat-zenbacher, 28 Hütschenhausener und 25 Spesbacher Reformierten, die sich für die Verein-igung beider Kirchen ausgesprochen hatten.

Ich sagte schon, das Jahr 1818 war ein ganz entscheidendes Jahr, gerade in der Spesbacher Kirchengeschichte, die Kirchengemeinde wurde selbständige Pfarrei. Durch die Union der Lutheraner und der Reformierten war in Steinwenden, wo bislang beide Pfarreien neben-einander bestanden, ein Pfarrer zuviel. Er wurde nun zum Pfarrer von Spesbach ernannt. Dies war der 1753 zwar in Monsheim geborene aber aus einer Reichenbacher Familie stammende vormalige lutherische Pfarrer Heinrich Wilhelm Leonhard, der aber in den ersten Jahren seiner Tätigkeit noch in Steinwenden wohnen blieb und sich in seinem Dienst hier auch häufig mit Pfarrer Engelmann abwechselte.

Pfarrer Carl Martin Engelmann war nicht nur Gemeindepfarrer, sondern auch Jäger, Bauer, Schriftsteller, Übersetzer und Verfasser von Gesangbuchliedern. Eines seiner Lieder, ein Sylvesterlied, wurde 1818 beim Jahresabschlussgottesdienst 1818 erstmals in der Spes-bacher Kirche in der Melodie des Liedes „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ gesungen. Es beginnt mit dem Vers:

 „Bald, Brüder schwindet abermal (Der Text des Liedes erscheint am Ende dieses Berichtes)

Da in Spesbach ja noch kein Pfarrhaus war, wohnte Pfarrer Leonhard weiterhin im bis-herigen lutherischen Pfarrhaus in Steinwenden, das die Kirchengemeinde 1826 an den Kaufmann Carl Philipp Urschel aus der Schrollbacher Mühle verkaufte, der hier ein Kolonialwarengeschäft eröffnete.

 Leonhard war seit 1784 lutherischer Pfarrer in Steinwenden gewesen, hatte zum Zeitpunkt seiner Ernennung zum Pfarrer von Spesbach also schon 34 Dienstjahre in Steinwenden zugebracht. Er war bereits 73 Jahre alt, als er 1826 endgültig nach Spesbach kam. Hier tat er Dienst bis zuletzt. Er starb am 13. Mai 1830 in Spesbach. In seinen letzten Amtsjahren wurde er pfarramtlich unterstützt von seinem Sohn, dem Vikar Wilhelm Karl Leonhard, später Pfarrer in Einöllen.

Pfarrer Engelmann und sein Schwager Dekan Weber waren liberale Männer und standen den Ideen der frühliberalen Bewegung außerordentlich posititv gegenüber. Weber, ein enger Freund Siebenpfeiffers, wurde gar „der Theilnahme an den politischen Umtrieben“ verdächtigt. Der bayerische König Ludwig I. höchstpersönlich forderte seine Amtsent-hebung und bezeichnete ihn als einen „Wolf im Schafspelz“.

Beim Hambacher Fest am 27. Mai 1832 demonstrierten Tausende von Menschen für Frei-heit und nationale Einheit Deutschlands. Die Festredner, vor allem Siebenpfeiffer und der Journalist Johann Georg August Wirth, deren Zeitungen der bayerischen Pressezensur zum Opfer gefallen waren, sprachen sich für die Freiheit von Presse, Rede und Versammlungs-recht und freien Handel aus; die Menschenwürde sollte geachtet werden und gleiches Recht für alle Bewohner gelten, basierend auf einer gesetzmäßigen und gerechten Staats-verwaltung. Die Zersplitterung Deutschlands in 39 selbständige Einzelstaaten sollte auf-hören und an ihre Stelle ein geeintes und starkes Deutschland treten. Der Deutsche Bun-destag in Frankfurt und die Regierungen der einzelnen Länder - auch Bayern – unter-drückten die demokratischen Bestrebungen.

In vielen pfälzischen Pfarrhäusern fanden die liberalen Forderungen jener Zeit Gehör. Vier pfälzische Pfarrer, vier Pfarramtskandidaten und neun Studenten der Theologie gerieten nach dem Hambacher Fest in die Mühlen der Justiz.

Siebenpfeiffer war übrigens ein großer Förderer des Schulwesens in seinem Amtsbezirk. In vielen Orten sind damals neue Schulhäuser gebaut worden. Auch die Spesbacher erhielten 1824/25 ein neues Schulhaus, für dessen Bau sich Siebenpfeiffer und Dekan Weber sehr energisch eingesetzt hatten.

Zurück zur neu gebildeten protestantischen Pfarrei Spesbach.

Ich sollte noch erwähnen, welche Orte alle zur Pfarrei Spesbach gehörten: Neben Hüt-schenhausen und Katzenbach, Schrollbach, Niedermohr (das später zur Pfarrei Glan-Münchweiler kam), Nanzdiezweiler, Hauptstuhl und Landstuhl. Landstuhl wurde erst 1857 selbständige Pfarrei.

Den Pfarrern Engelmann und Leonhard folgten im Amt des Pfarrers der aus Kleinfisch-lingen stammende Pfarrersohn Johann Friedrich Melsheimer, der von 1831 bis 1851 hier Dienst tat. Er machte sich als Übersetzer des Buches Hiob und der Sprüche Salomons einen Namen. Sein Nachfolger war Johann Ludwig Albert Schätzler von 1852 bis 1860, ihm folgte Johannes Haas von 1861 bis 1868, diesem Johann Jakob Koch von 1869 bis 1876. Von 1876 bis 1886 war Pfarrer Ernst Ludwig Jakob Fleischmann und von 1886 bis 1893 Pfarrer Heinrich Herberth Pfarrer in Spesbach. Heinrich August Schäfer hatte dann die Pfarrstelle von 1893 bis 1900 inne, ihm folgten Julius Anton Opp von 1900 bis 1906, Ludwig Sauter bis 1909, Friedrich Neu von 1910 bis 1917 und Julius Grogro von 1917 bis 1923. Der in Alsenz 1893 geborene Sohn des angesehenen Geheimen Oberkirchenrats Heinrich Drescher, Hermann Franz Heinrich Drescher, war dann ab 1923 Pfarrer in Spesbach. Er wirkte hier bis 1932.

Nicht nur die kirchlichen Feiertage waren die Höhepunkte des kirchlichen Lebens in Spes-bach. Auch staatlich- politische Ereignisse wurden mit kirchlichem Segen versehen. So veranstalteten die Spesbacher nach dem für Deutschland so siegreichen Ausgang des Deutsch-Französischen Krieges am 5. März 1871 einen Friedensgottesdienst in der hie-sigen Kirche; Kaisers Geburtstag, die runden Geburtstage der bayerischen Könige und vor allem des populären Prinzregenten Luitpold waren immer wieder Anlass zu feierlichen Gottesdiensten in der Spesbacher Kirche. 

Ein groáes Ereignis in der Geschichte der Kirchengemeinde war am 24. September 1933 die Grundsteinlegung der neuen Filialkirche in Hütschenhausen, die dort anstelle des alten Siebenbauernkirchleins errichtet wurde. Pfarrer Blitt hat in der Pfarrbeschreibung festge-halten, dass dies „unter großer Anteilnahme der Bevölkerung der Umgegend, im Beisein von Kirchenpräsident Dr. Keßler, Oberkirchenrat Stichter und der Sturmführer der SA Westpfalz“ geschehen sei. „In Ehrerbietung wurde dabei der 7 Kirchbauer des Jahres 1747 gedacht und die Gemeinde aufgerufen, im neuen Glauben Gott die Ehre zu geben“. Die Hütschenhausener Kirche wurde dann am 7. Oktober 1934 in Dienst gestellt.

Pfarrverweser Theophil Blitt war 1932 nach Spesbach gekommen; 1935 wurde er zum Pfarrer ernannt. Nach einem schweren Motorradunfall, den Pfarrer Blitt im Oktober 1937 in Heidelberg erlitten hatte, wurde er auf die leichtere Pfarrei Dörrenbach bei Bergzabern versetzt. Als Pfarrverweser tat Karl Traut aus Pirmasens Dienst in Spesbach. Er wurde nach dem Krieg Religionslehrer in seiner Heimatstadt Pirmasens. Traut wurde im Oktober 1938 von dem aus Kaiserslautern stammenden Pfarrverweser Karl Ludwig Heintz abge-löst. Dieser blieb fast zwei Jahre in Spesbach. Von ihm heißt es, dass er in der Pfarrer-schaft als Mitglied des nationalsozialistischen Sicherheitsdienstes „berüchtigt und gefürchtet“ gewesen sei.

In den folgenden schweren Kriegsjahren übernahmen Dekan Friedrich Dauber, Pfarrer Robert Leonhard Weber von Lambsborn und Pfarrer Friedrich August Ottmann von Miesau die Verwesung der Pfarrei Spesbach, da der 1941 ernannte 1909 in Alsenborn geborene Pfarrer Jakob Wilhelm Werner Bechberger in den Kriegsdienst eingezogen war. Gegen Kriegsende geriet er in amerikanische Gefangenschaft und kehrte erst im Juni 1946 wieder nach Spesbach zurück. Am 17. November 1946 wurde Pfarrer Bechberger von Dekan Foell offiziell als Pfarrer von Spesbach eingeführt. Bechberger blieb bis 1952. Er ging dann nach Eisenberg, wo er auch als Außenstellenleiter des SOS-Kinderdorfs eine segensreiche Tätigkeit entfaltete.

Bechbergers Nachfolger in Spesbach war dann für acht Jahre der aus Potsdam stammende  Pfarrer Siegfried Feucht, der 1960 nach Ludwigshafen-Edigheim versetzt wurde. Sein Nachfolger wurde 1960 Pfarrer Heinz Wirtgen aus Kaiserslautern. Über 31 Jahre tat er Dienst in Spesbach, bis er mit Ende des Jahres 1991 in den wohl verdiensten Ruhestand treten konnte. Von allen Pfarrern, die je in Spesbach gewirkt haben, hat er die längste Amtszeit aufzuweisen.

Von 1992 bis 1998 versah Pfarrer Klaus Rothe den Pfarrdienst in Spesbach. Ihm folgte im August 1999 Pfarrer Jochen Griesmann. 

Dieser Überblick über die Spesbacher Orts- und Kirchengeschichte ist naturgemäß unvoll-ständig. Vieles wäre sicher noch zu ergänzen. Manche Akten in den Archiven müssten noch durchgesehen und ausgewertet werden.


Benutzte Quellen und Literatur:

Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz (Pfälzische Landeskirche), Speyer, Akten der Pfarreien Steinwenden und Spesbach (vor allem Best. 44, Nr. 5) sowie reformiertes Kirchenbuch Spesbach.
Prot. Pfarramt Steinwenden, Pfarrbeschreibung.
Biundo, Georg : Die evangelischen Geistlichen der Pfalz seit der Reformation (Pfälzisches Pfarrerbuch), Neustadt an der Aisch 1968.
Biundo, Georg: Pfälzisches Pfarrer- und Schulmeisterbuch, Kaiserslautern 1930.
Bonkhoff, Bernhard H.: Geschichte der Vereinigten Protestantisch-Evangelisch-Christlichen Kirche der Pfalz 1818-1861, München 1986.
Bonkhoff, Bernhard H.: Geschichte der Vereinigten Protestantisch-Evangelisch-Christlichen Kirche der Pfalz 1861-1918, München 1993.

Christmann, Ernst: Dörferuntergang und -wiederaufbau im Oberamt Lautern während des 17. Jahrhunderts, Otterbach 1960.
Dolch, Martin und Michael Münch: Urkundenbuch der Stadt Kaiserslautern, 2 Bde., Otterbach 1994/1998.
Hans, Alfred: Die Kurpfälzische Religionsdeklaration von 1705, Mainz 1973.
Paul, Roland (Hg.): 800 Jahre Steinwenden - 550 Jahre Weltersbach. Beiträge zur Ortsgeschichte, Mackenbach 1980.
Paul, Roland: Vielseitiger Pfarrer dichtet ein Silvesterlied. Vor 200 Jahren in Bacharach geboren: Carl Martin Engelmann, in: Die Rheinpfalz, Landstuhler Rundschau, 31.12.1990
Paul, Roland: Zur Geschichte des Siebenbauernkirchleins in Hütschenhausen, Manuskript eines Vortrags im Bürgerhaus Hütschenhausen am 7. Oktober 1994.
Reh, Kurt, Friedrich Ludwig Wagner und Klaus-Peter Westrich: Landkreis Kaiserslautern, Bonn 1968.
Schneider, Erich: "Triumph, die Freiheitsfahne weht....". Die Pfalz im Banne der Französischen Revolution (1789-1814), Landau 1988.
Schwinn, Wilhelm: Religionsbeschwerden, der reformierten Pfarrei Steinwenden aus dem Jahre 1789, in: Blätter für pfälzische Kirchengeschichte, Jg., 1934, heft 4, S.96-107 und Heft 5, S. 136f. 

(Geringfügig geänderter Text des Vortrags, gehalten am 15. November 1996 von Roland Paul in der Spesbacher Kirche anlässlich der 250-Jahrfeier des Gotteshauses)

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